Windkraft

Seit November 1992 ist die Windkraftanlage von Rudi Tödter nun schon im Wümmegrund am Netz. Damals war durch die Neuregelung des Stromeinspeisegesetzes und das bundesweite 100 MW Prrogramm erstmalig die Chance gegeben, zu vernünftigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch als Privatmann eine eigene Windkraftanlage zu betreiben. Die Anlage im Wümmegrund produziert je nach Windjahr zwischen 70.000 und 90.000 kWh pro Jahr, bei einem Durchschnittsverbrauch von ca. 3.500 kWh pro Jahr und Haushalt reicht dies also für die Vollversorgung von 20 bis 25 Haushalten! Mit ihren 100 kW Spitzenleistung bei 23m Nabenhöhe und 20m Rotordurchmesser zählt die Vestas V20 aus heutiger Sicht zu den kleinsten Anlagen, hat es doch seit ca. 1995 eine fazinierende Entwicklung hin zu größeren Anlagen gegeben.
Diese Entwicklung ist mit Ihrer Dynamik praktisch gleichzusetzen mit den bekannten "Boombranchen" wie Computertechnologie oder Telekommunikation. Mittlerweile (Anfang 2000) sind Anlagen mit 80m Nabenhöhe, 80m Rotordurchmesser und bis zu 2,5 MW Spitzenleistung Stand der Technik, in den kommenden Offshore-Projekten werden wohl Anlagen mit 5 MW Leistung zum Einsatz kommen. Diese Entwicklung wäre aber nicht denkbar gewesen, wenn nicht Idealisten mit der mutigen Entscheidung zu Investitionen in die kleinen Anlagen Anfang der 90er Jahre den Weg hierfür bereitet hätten. Immerhin war die Anlage hier im Ort unter den ersten 1000 in ganz Deutschland, mittlerweile stehen knapp 8000 Anlagen mit einer Gesamtleistung von um die 5000 MW, also schon mehr als drei große Kernkraftwerke!

Während viele strukturschwache Gegenden in Deutschland die Chancen der dezentralen Energiegewinnung erkannt und genutzt haben, hat der Kreis Soltau-Fallingbostel diese Entwicklung völlig verschlafen und sogar alles unternommen, um Hindernisse aufzubauen. Die Anlage in Wesseloh war die erste im Kreis (man bedenke: erbaut 1992!), und neben einer weiteren war sie bis in den Herbst 2000 immer noch allein in einem der flächenmäßig größten Kreise Deutschlands! Die seltsamsten Argumente wurden gegen den weiteren Ausbau an gut geeigeneten Standorten ins Weg geführt (angeblich mindern Windkraftanlagen den Erholungswert von Straßen!). Alle dezentralen Bestrebungen der Bevölkerung vor Ort wurden konterkariert und verschleppt.

23m Nabenhöhe, 20m Rotordurchmesser und
100kW Spitzenleistung: die Vestas V20 in Wesseloh

Auch ein Windkraftwerk braucht ab und an Pflege und Wartung!
Durch eine Änderung in der Baugesetzgebung mußten die Gemeinden zwar bis Ende 1998 Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausweisen, durch geschickte Verzögerungstaktik und schwer nachvollziehbare Restriktionen (z.B. Höhenbegrenzungen auf unter 50m Gesamthöhe) wurden aber nahezu alle Flächen im Kreisgebiet wirtschaftlich uninteressant. Die wenigen verbliebenen Flächen konnten sich zudem überregional tätige Planungsbüros mit mehr oder weniger seriösen Ambitionen sichern, so daß die Wertschöpfungskette zu großen Teilen an der Bevölkerung vor Ort vorbeigehen wird. Man kann den verantwortlichen Verwaltungsangestellten und Kommunalpolitikern nur zu ihrer weitsichtigen Planung gratulieren! Vielleicht hat es Ihnen zumindest persönliche Vorteile gebracht, für die Entwicklung des Kreises wurde in keinem Fall etwas erreicht, SFA ist zur Rohstoffkolonie geworden, die Gewinne werden andernorts gemacht.

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