Aus der Geschichte des Dorfes Wesseloh

von Claus Stamann, 1999

Wesseloh gehört zu den frühen Siedlungen der Lüneburger Heide. Der Lehrmeinung der Siedlungsgeographie nach ist seine Entstehung in den Siedlungsphasen etwa des 7./8. Jahrhunderts anzunehmen. Die Teilung einer vermutlich ursprünglich vorhandenen einzelnen Bauernstelle etwa im 14./15. Jahrhundert dürfte die Begründung der drei später nachgewiesenen Vollhöfe zur Folge gehabt haben.
Das Dorf war Grenzort zwischen dem Fürstentum Lüneburg und dem Stift Verden, und es gehörte zum Bistum und Stift Verden, aus dem später ein reichsunmittelbares Fürstbistum wurde.

Nach dem Westfälischen Frieden 1648 am Ende des dreißigjährigen Krieges kam Wesseloh als Teil des Herzogtums Verden unter die Herrschaft der schwedischen Krone. Nachdem die Schwedenherrschaft geendet hatte, nach kurzzeitigen Fremdbesetzungen und nachdem in der Zeit 1715 - 1720 das Herzogtum Verden an das Kurfürstentum Hannover gelangt war, erlebte das Dorf 1714 bis 1837 die Personalunion Hannovers mit England. Karte
Wesseloh liegt im Dreieck der Orte Buchholz, Rotenburg und Soltau in der Lüneburger Heide

Wesseloh erlitt sodann die Niederlage Hannovers, das 1866 in dem Konflikt der beiden deutschen Großmächte Preußen und Österreich im sog. Deutschen Krieg in der Schlacht bei Langensalza kapitulierte. Als kleines Dorf des nun mächtigen Preußens erlebte es die folgenden Kriege 1864 bis 1871 mit den Wirren, die jedesmal an deren Ende standen, und es erlebte die Gründung des Bismarckreiches.
Zwei der Wesseloher Höfe gehörten als sog. Meyerhöfe dem Schloßlehen Lauenbrück, ein Hof war landesherrschaftlich und unterstand als ehemaliger Besitz des Verdener Bischofs dem Amt Rotenburg.
Die Wassermühle Eggersmühlen, Teil einer gleichheißenden Pflugköthnerstelle, gehörte ebenfalls der Landesherrschaft, früher also dem Verdener Bischof.

Haus
Wesseloh gehört zu den frühen Siedlungen der Lüneburger Heide
Häuslingshaus
Zahlreiche Häuslinge lebten ärmlich in den sog. Häuslingshäusern der großen Höfe

Die Ortsteile Horst und Schiel fanden ihren Anfang als sog. Hannoversche Neubauernsiedlungen in den Jahren 1796 und 1812. Zu derselben Zeit entstanden im Dorf selbst fünf weitere Neubauernhöfe.

Kopfbalken Die Mächtigkeit des Kopfbandes und des Luchtbalkens des großen niedersächsichen Bauernhauses (Harms, Schloßlehen Lauenbrück) bezeugt die Größe des einstigen Besitzes (Abb.: "Kulturhistorischen Landesaufnahme des Provinzial-Konservators" [heute Institut für Denkmalpflege] in Hannover. Die Inventarisierung nahm Prof. Dr. Lothar Pretzell in den 30er Jahren vor. Er fertigte vermutlich auch die Zeichnung)

Die das Dorf anführende Bauernschicht bestand ursprünglich aus den die Vollhöfe bewirtschaftenden Bauern. Diese Schicht verschwand mit dem Niedergang ihrer Höfe um die Mitte des 19. Jahrhunderts und während der noch andauernden wirtschaftlichen Schwäche der Neubauernhöfe. Unvermittelt gab es viele Häuslings- und Landarbeiterfamilien, die gewissermaßen ohne ausreichende Einkünfte waren.

Der Verkauf aus finanzieller Not aller drei Höfe in Wesseloh veränderte im 19. Jahrhundert die Sozialstruktur des Dorfes; Abb. Kaufvertrag vom 24. Juli 1843 (Auszug) Kaufvertrag

Landidylle ?

Der häufig vermittelte Eindruck der Beschaulichkeit dörflichen Lebens gab es nicht. Harte Arbeit bestimmte den Tagesablauf der Bauern; Zeichnung S. Dahl, 1873, gedruckt in dem Lüneburger Lesebuch von 1912 (Vorbereitungsliteratur eines früheren Wesseloher Lehrers)

Diese soziale Schwäche der Dorfbevölkerung wandelte sich nur langsam. Erst als etwa im letzten Drittel des 19. Jhs. einige Häuslingsstellen zu sog. Anbauernste-len wurden und als im 20. Jahrhundert weitere Kleinbauern dazukamen; ferner als die Neubauern wirtschaftlich an Bedeutung gewannen, traten Änderungen ein.


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