Die Stoppelfete und noch mehr...von Adolf StaackWesseloh, ein lauer Augustabend im Jahre 1982: Im Herzen der Lüneburger Heide ist die Getreideernte vorbei, die Stoppelfelder liegen brach. Die Sonne versinkt langsam am Horizont, Grillen zirpen, Fledermäuse begeben sich auf die Jagd, der Dachs kriecht aus seinem Unterschlupf, in der nahen Wümmeniederung läßt hier und da kriechender Bodennebel den wartenden Herbst ahnen: Idylle pur. Plötzlich zerreißt ein schriller Gitarrenton die abendliche Stille: Da hinten, weit ab vom Rande des Dorfes, lugen einige Zelte hervor, ein Lagerfeuer brennt und überdimensionierte Lautsprecherboxen produzieren eine überraschende Geräuschkulisse. Während man sich in der nahen Heideblütenstadt Schneverdingen zum alljährlichen Heideblütenfest rüstet, feiert hier in Wesseloh eine Menge "verrückter junger Leute" eine etwas größere Fete. Wer ahnt schon an diesem Abend, daß dieser ersten "Stoppelfete" neun weitere folgen, die eine erstaunliche Erfolgsstory begründen und allerhand verändern werden?
1984 schaut dann auch schon ein Reporter der Böhme-Zeitung vorbei und schätzt an die tausend Besucher,
die sich auf dem abgeernteten Stoppelfeld ein schönes Wochenende machen. Die Wesseloher Feuerwehr und das
Rote Kreuz halten sich für Notfälle bereit. Der Journalist lobt die friedliche Atmosphäre und das
Engagement der Initiatoren. Größere Umsätze werden gemacht, aber nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet,
sondern gespendet: Greenpeace und amnesty international können sich über nennenswerte Geldbeträge
freuen. Die etwa dreißig Initiatoren dürfen sich auf die Schultern klopfen: Anfangs belächelt und
ihr Treiben mit Kopfschütteln begleitet, findet die professionelle Durchführung des Open-Airs allseits
Anerkennung und wird zur Sache des ganzen Dorfes. Generationsübergreifend werden Kartoffelpuffer gebacken
und Würste gegrillt.
Als man im Jahre 1987 im strömenden Regen bis zu den Knöcheln versinkt, harren immerhin zweitausend
Besucher tapfer aus und lassen sich nicht durch das äußerst ungemütliche Wetter stören.
Das Aus 1991: Dreitausend Besucher erleben letztmalig in Wesseloh einen "Hauch von Woodstock", wie die taz ironisch bewundernd schreibt. Ja, sogar die taz berichtet! Die Initiatoren freuen sich über die zehnte Stoppelfete, einen krönenden Abschluß: Mehrere zehntausend DM konnten für gute Zwecke weitergeleitet werden, Generationen rückten näher zusammen und entwickelten mehr Verständnis füreinander, Gemeinsinn hatte einen hohen Stellenwert. Möchten Sie ein wenig in Errinerung schwelgen? Oder einfach mal ein paar Eindrücke
vom "Woodstock in der Heide" erhaschen ? Eine kleine Photo-Gallerie finden Sie hier!
Engagement zeigen die Mitglieder der NIW schon seit mehreren Jahren bei der Restaurierung der alten denkmalgeschützten
Wassermühle in Eggersmühlen Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen konnten auch mit Hilfe der
Stadt Schneverdingen erhebliche Fördergelder eingeworben werden, so daß sich mittlerweile die alte Turbine
wieder dreht und Strom erzeugt. Am Ende des Jahres 1999 soll auch ein Teil der alten Mahlgänge wieder funktionieren
Über mehrere Jahre hinweg - seit 1995 wurden nach Feierabend viele freiwillige Arbeitsstunden Investiert,
um die Sanierung so kostengünstig wie möglich zu gestalten. Ganz nebenbei füllt sich durch regelmäßige
jährliche Veranstaltungen das Gebäude wieder mit Leben Kunsthandwerkermarkt, Tage der offenen Tür
und - erstmalig in diesem Jahr- "Musik in der Mühle" tragen dazu bei.
Die "verrückten jungen Leute" von damals, vom Stoppelfeld 1982, haben sich etabliert, einige
Häuser gebaut, Kinder bekommen. Sie freuen sich aber auch darüber, Dinge auf den Weg gebracht zu haben,
die heute noch nicht unbedingt selbstverständlich sind: Das kleine Heidedorf Wesseloh mit noch nicht einmal
sechshundert Einwohnern zählt immerhin vier Häuser mit Kollektoren zur Warmwasserbereitung; - eine l00kW-Windkraftanlage,
die Turbine in Eggersmühlen und eine Photovoltaikanlage produzieren Strom; wo gibt´s das schon in dieser
Häufung in so einem kleinen Dorf? |